Entwicklungsaufgaben - Ganzheitliche Psychotherapie in Mannheim

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Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
 
Die Pubertät eines Kindes erfordert sowohl von den Jugendlichen als auch den Eltern Umorientierungen. Sie verlangt neue Rollenverteilungen, eine Modifikation der bisher in der Familie geltenden Regeln. Diese Anpassungsleistungen bedürfen Zeit und Energie. Haben Familien zusätzliche kritische Life-events, wie z.B. Wiederverheiratung bzw. Aufbau einer neuen Partnerbeziehung, Hausbau, Arbeitslosigkeit etc. zu bewältigen, die ihrerseits von jedem einzelnen in der Familie viel Energie erfordern, besteht die Gefahr, dass die Herausforderungen durch die Pubertät nicht entsprechend wahrgenommen und die notwendigen Umorientierungen und Anpassungsleistungen nicht erbracht werden können.

Entwicklungsaufgaben müssen in täglichen konkreten Handlungen an bestimmten Orten mit bestimmten Personen bewältigt werden, denn die Persönlichkeit eines Jugendlichen entwickelt sich durch diese Auseinandersetzungen mit Aufgaben im sozialen Kontext von Eltern, Gleichaltrigen, Freunden, Lehrern und/ oder Kollegen am Arbeitsplatz.
  

Entwicklungsaufgaben im Jugendalter unterteilt in drei Gruppen.
Übergeordnetes Ziel ist es, ein neues und bewusstes Verhältnis zu sich selber und der Welt zu erreichen.
 
Persönliche Aufgaben (intrapersonaler Bereich):
 
  • Selbständigkeit in Bezug auf wichtige Entscheidungen erwerben (Zeitpunkt des Nachhausekommens; entscheiden, welche Kleidung man trägt; seine Rechte verteidigen)
 
  • Erfolgreich mit Alltagssituationen zurechtkommen (allein oder mit Freunden in die Disco oder ins Cafe gehen; eigenes Geld benutzen; den Urlaub ohne Erwachsene verbringen; alleine zum Arzt gehen; über das Wochenende alleine zu Hause bleiben)
 
  • Mit der pubertären Entwicklung klarkommen (Veränderung des eigenen Körpers akzeptieren)
 
  • Selbstbewusstsein entwickeln (sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein; auf die Meinung eines anderen bezüglich sich selbst eingehen)
 
  • Wertmaßstäbe finden (eine Meinung oder Neigung bezüglich politischer Parteien haben; eine eigene Lebensphilosophie oder Religion wählen; eine Meinung zu sozialen Fragen wie Abtreibung oder Todesstrafe haben)
 
Beziehungsaufgaben (interpersoneller Bereich):
 
  • Eine stabile Freundschaftsbeziehung aufbauen (einen festen Freundeskreis haben; einen Besten Freund/Freundin haben)
 
  • Eine intime Beziehung aufbauen (eine/n Freund/in haben; in eine Sexualbeziehung involviert sein)
 
Sozioinstitutionale Aufgaben (kulturell-sachlicher Bereich):
 
  • Die Schulkarriere erfolgreich beenden (Verantwortung für einen erfolgreichen Schulabschluss übernehmen)
 
  • Sich auf einen Beruf vorbereiten (einen Beruf auswählen, einen Job haben)
 
  • Ökonomische Unabhängigkeit erreichen (finanziell unabhängig sein)
 
  • Sich auf die Verantwortung für eine eigene Familie vorbereiten (selbständig leben; einen eigene Familie haben und für sie sorgen)
 
  
Faktoren, die es Eltern/Jugendlichen erschweren/erleichtern die Pubertätsherausforderungen zu bewältigen

Richtig verstandener Zusammenhalt
Zusammenhalt in der Familie bedeutet nicht, dass es keine Konflikte geben darf und dass individuelle Wünsche und Bedürfnisse nicht geäußert und gelebt werden dürfen. Familien, die den Zusammenhalt falsch verstehen, die aus Angst vor Veränderung des familiären Gleichgewichts keine Konflikte und keine Änderungen familiärer Regeln zulassen, behindern die Entwicklung des Jugendlichen. Konstruktive Auseinandersetzungen und Konflikte, die die Chance beinhalten, neue Rollen, Positionen sowie einen veränderten Umgang des Miteinanders auszuhandeln, sind für die Identitätsfindung notwendig und wichtig.
 
Klare Familien- und Subsystemgrenzen
Ist die Familiengrenze sehr dicht, verhindert dies die Außenorientierung. Der Auf- und Ausbau außerfamiliärer Beziehungen wird erschwert; dies ist vor allem bei Jugendlichen, bei denen die gleichaltrigen Freunde und Freundinnen einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung und Sozialisation leisten, problematisch. Gerade in der Pubertät des Kindes ist es aber gleichzeitig wichtig, dass innerhalb der Familie die Subsystemgrenzen klar sind. Jugendliche dürfen nicht zu "Ersatzpartnern" werden und Eltern nicht zu "Ersatzgeschwistern". Jugendliche, die zum Partnererstz werden, können Eltern nicht im ausreichenden Maß loslassen bzw. die notwendigen Selbstbestimmungswünsche artikulieren.
 
Beziehungsprobleme der Partner
Beziehungsprobleme und Konflikte zwischen den Partnern, die nicht direkt miteinander ausgetragen werden, sondern über den/die Jugendliche/n, behindern dessen/deren Ablösung. Versucht jeder der beiden Elternteile, den/die Jugendliche "für sich zu gewinnen", kommt es häufig zu Loyalitätskonflikten, die Jugendlichen fühlen sich für die Zwistigkeiten unter den Eltern verantwortlich.
 
Erziehungsunsicherheiten
Erziehungsstile und -ziele haben sich geändert. Eltern können die Erziehungsmethoden, die sie selbst in ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben, nicht auf die Erziehung der eigenen Kinder anwenden - zu sehr haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen und Herausforderungen an die Erziehung geändert. Schwanken Eltern im Alltag zwischen traditionellen und neuen Erziehungswerten, wissen sie nicht, woran sie sich in der Erziehung orientieren sollen und können und wie sie auf die neuen Herausforderungen der Zeit (Vielfalt an Werten und Lebensformen, veränderte Bedeutung von Kindern, wachsende Bedeutung von 'Miterziehern' wie Medien etc.) in der Erziehung adäquat reagieren sollen, wird ihre Erziehung oft inkonsequent. Jugendlichen fällt es dann schwer, sich zu orientieren.
 
Uneinigkeiten in der Erziehung
Die Orientierung für Jugendliche wird aber auch erschwert, wenn Eltern bei ihrem Versuch, den "richtigen" Weg in der Erziehung zu finden, sehr unterschiedliche Erziehungsvorstellungen vertreten und sehr unterschiedliches Erziehungsverhalten praktizieren. Fehlt in Familien zwischen den Partnern Übereinstimmung in grundsätzlichen Erziehungsfragen, ist es schwer, zu der für die Ablösung des/der Jugendlichen und den Zusammenhalt in der Familie nötigen Ausgewogenheit zwischen zugestandenen Freiräumen und Grenzziehungen zu kommen.

Quellen:
Wikipedia
Stangl, Werner (1987). Konsistenz elterlichen Erziehungsverhaltens. Psychologische Beiträge, 29, S. 349-375.
Dekovic, M., Noom, M. J., & Meeus, W. (1997). Expectations regarding development during adolescence: Parental and adolescent perceptions. Journal of Youth and Adolescence, 26, 253-272. 
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